Kupferstich / Chalkographie Allgemein

Beim Kupferstich wird von einer Kupferplatte gedruckt, auf der das Motiv als Strichzeichnung eingestochen wurde.

Herstellung

Die als Druckträger verwendete 3...5 Millimeter starke Kupferplatte wird poliert, mit Firnis überzogen und mit Russ eingeschwärzt. Dadurch wird die einzustechende Zeichnung besser erkennbar. Mit Grabsticheln verschiedener Feinheitsgrade wird die Zeichnung in die Platte eingraviert. Um die relative Unbeweglichkeit des Grabstichels beim Graviervorgang auszugleichen, wird die Platte frei drehbar auf einem mit Sand gefüllten Ledersack aufgelagert.

Der Grabstichel ist ein Stahlstift mit rautenförmig abgeschrägter Spitze und einem Holzgriff. Mit ihm wird das Metall aus den Linien herausgehoben. Die Linien beginnen dreieckig, verdicken sich dann und laufen spitz aus. Beim Stechen entstehen zu beiden Seiten der Linien scharfe Metallgrade, die mit einem dreikantigen Stahl, dem Schaber, geglättet werden. Wurden die Grate stehengelassen, entsteht beim Druck ein besonders samtiger Farbton - der Abzug wird dann "Stich mit Grat" genannt.

Druckvorgang

Zum Drucken wird die Platte erwärmt und mit einer sehr zähen Druckfarbe eintamponiert, wobei die Druckerfarbe in die vom Stichel ausgehobenen Ritzen gedrückt wird. Anschliessend wird die Platte blank gerieben und an den nichtgravierten Stellen mit Kreise eingerieben. Eine nicht ganz sauber gewischte Platte gibt beim Drucken den sog. "Plattenton", der bewusst eingesetzt werden kann, jedoch meist von unsachgemässem Drucken zeugt.

Der Druckvorgang erfolgt auf einer Walzenpresse. Die Druckplatte wird mit der Darstellungsseite nach oben auf den Drucktisch gelegt und mit dem angefeuchteten Papierbogen, vorwiegend schwach geleimtes knotenloses Hadenpapier, bedeckt. Darüber kommen zur Aufnahme der Feuchtigkeit Wollfilztücher. Beim Darüberwalzen ist der Anpressdruck derart hoch, dass sich die Ränder der Druckplatte in das Papier pressen und dort dauerhaft den "Plattenrand" erzeugen. Die Farbe wird aus den Rillen der Druckplatte auf das Papier gesaugt und ergibt dort ein leichtes Relief.

Bei relativ dünnem Papier lassen sich die Linien auf der Rückseite erkennen. Bei dickem Papier zeichnen sich manchmal die Gewebemuster der Abdecktücher ab. Jedes Blatt muss zwischen Löschpepier mehrere Tage trocknen.

Auflage

Die Auflage beträgt 300...400 gute Abzüge. Bisweilen wurden bis zu ca.1.000 Abzüge von einer Platte hergestellt. Von einer zart gestochenen flachen Platte sind weniger Abzüge möglich. Abzüge mit Grat lassen sich sehr wenige gute herstellen.

Durch den hohen Anpressdruck beim Druckvorgang werden die gestochenen Linien von Abzug zu Abzug mehr zusammengedrückt. Die eingestochenen Linien werden immer flacher, nehmen dadurch immer weniger Druckerfarbe auf und werden farbschwächer. Um die Platten länger verwenden zu können, wurden sie oft nochmals nachgestochen. Die Zeichnung verliert dadurch an Qualität, der ursprüngliche Zustand wird dadurch verfälscht.

Erkennungsmerkmale

  • Plattenrand
  • Druckfarbe bildet leichtes Relief auf dem Papier
  • der einzelne Strich beginnt dreieckig, verdickt sich und läuft spitz aus
  • Linien laufen meist parallel, Schraffuren sind Kreuzschraffuren
  • Rundungen bestehen aus relativ kurzen Strichen und kommen seltener vor

Geschichte

Der Kupferstich ist etwas jünger als der Holzschnitt und wurde um 1420 vermutlich in Goldschmiedewerkstätten entwickelt. Sie ist höchstwahrscheinlich eine Erfindung der Deutschen, von denen die wohl ältesten Kupferstiche von 1441 (Passion) und 1451 (Madonna mit Kind) bekannt sind. Größere Vollendung zeigen die Stiche des Meisters E. S. von 1466 und von Martin Schongauer. Den frühen Gipfel des Kupferstichs erreichte in Deutschland Albrecht Dürer, in den Niederlanden Lukas van Leiden, in Italien Raimondi. Im 17.Jahrhundert führte Peter Paul Rubens eine neue Epoche und damit das goldene Zeitalter der Kupferstecherkunst herbei. Besonders hervor traten die Holländer Vorsterman, Pontius, van Bolswert, Soutman, Suyderhoef, Visscher, die französischen Meister de Poilly, Nanteuil und besonders Masson. Die klassische Vollendung wurde durch Edelinck erreicht, dem noch die beiden Drevet folgten. Später berühmt waren die Stecher G. F. Schmidt, Wille, Volpato, J. G. von Müller, R. Morghen etc. Das Zeitalter des Kupferstichs war mit beginnendem 19.Jahrhundert praktisch beendet.

Literatur

Über die Technik des Kupferstichs gibt es eine Vielzahl von Büchern, von denen hier folgende ausgewählt sind:

  • Longhi (1837)
  • Lalanne (franz., 1866)
  • Herkomer (engl., 1892)
  • Das gestochene Bild. Von der Zeichnung zum Kupferstich, bearbeitet von C.von Heusinger u.a., Ausstellungskatalog Herzog-Anton-Ulrich-Museum, Braunschweig 1987

Biographisches

  • Bartsch, Le peintre-graveur, 21 Bde., 1803-21
  • Andreas Andresen, Handbuch für Kupferstichsammler - Der deutsche Peintre-Graveur, 16.-Anfang 19. Jahrh., 1864-78, 2 Bände
  • Andreas Andresen, Die deutschen Malerradierer, 19. Jahrh., 1866-77
  • Koschatzky,W.: Die Kunst der Graphik. Technik, Geschichte, Meisterwerke. Neuausgabe. München 1991

über die Geschichte des Kupferstichs die Werke von

  • Lützow, 1891
  • Lippmann, 1893
  • Hans Wolfgang Singer, 1895 und 1904
  • Paul Kristeller, Kupferstich und Holzschnitt in 4 Jahrhunderten, 1905

Sammelwerke

  • Das Kupferstichkabinett (5 Bde., 1897-1901)